FAZ 26.07.2026
10:15 Uhr

Angriff auf CSD in Berlin: Tatverdächtiger auf der Flucht – Polizei fahndet


Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day +++ Verdächtiger wohl erst im Mai aus dem Jugendarrest entlassen worden +++ Polizei veröffentlicht Fahndungsfoto +++ Frau stirbt +++ alle Entwicklungen im Liveblog

Angriff auf CSD in Berlin: Tatverdächtiger auf der Flucht – Polizei fahndet

Anschlag „trifft uns alle“ Der Anschlag in Berlin, kommentiert Stephan Löwenstein, „war hinterhältig, feige und verachtenswert“. Er treffe „uns alle“. Die Gesellschaft müsse „sich durch Zusammenstehen behaupten: Im Zorn, in der Trauer, im Trotz“:

Jochen Schropp: „Ich hoffe, wir kommen da als Community gut durch“ Der Moderator des Berliner Christopher Street Days (CSD), Jochen Schropp, ist nach dem tödlichen Angriff mit einem Auto am Rande der Großveranstaltung in Sorge. „Ich hoffe irgendwie, wir kommen da als Community gut durch“, sagte der schwule 47-Jährige in einem Video auf Instagram. „Ich hab' sehr viele Menschen gesehen, denen es danach gar nicht gut ging und die unter Schock standen.“Schropp hatte am Samstag mit Ricarda Hofmann durch das Hauptprogramm des CSD am Brandenburger Tor geführt. Es sei ein so schöner Tag, voll mit Liebe gewesen, sagte Schropp. Alle Künstlerinnen und Künstler seien toll gewesen, es habe so viel Spaß gemacht. „Und dann passiert sowas.“ 

Junge Union spricht von „Kriegserklärung“ radikaler IslamistenDer Vorsitzende der Jungen Union, Johannes Winkel, hat nach dem Anschlag in Berlin von einer „Kriegserklärung“ radikaler Islamisten gegen die offene Gesellschaft gesprochen. „Der Westen und der Islamismus: Eine Ideologie erklärt unserer Gesellschaft den Krieg“, schrieb Winkel am Sonntag auf der Plattform X. Die Weckrufe würden ignoriert, kritisierte Winkel: „Statt sich zu wehren und mit aller Härte zurückzuschlagen, weigern wir uns, die Kriegserklärung zu hören.“Der hessische Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) kündigte eine Debatte über die politischen Konsequenzen der Tat an. „Aktuell liegt der Fokus auf der Fahndung nach dem oder den Tätern und der Trauer um die Opfer“, schrieb Rhein auf X. „Danach wird die Tat auch politisch zu bewerten sein.“ Rhein fügte hinzu: „Wieder hat ein feiger und menschenverachtender Anschlag friedlich feiernde Menschen getroffen.“ 

CSD im oberbayerischen Mühldorf findet statt Der für den Nachmittag geplante CSD im oberbayerischen Mühldorf findet trotz des Angriffs am Rande des CSDs in Berlin statt. „Gerade nach so einem schrecklichen Ereignis ist es umso wichtiger, uns nicht einschüchtern oder verdrängen zu lassen“, erklärten die Veranstalter. Zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen werde es nicht geben – man habe bereits jetzt ein umfangreiches Sicherheitskonzept. Auch von der Polizei hieß es am Sonntagmorgen, dass die Veranstaltung wie geplant stattfinde. In einem Statement auf Instagram sprachen die Mühldorfer Veranstalter den Verletzten und den Freuden und Verwandten der Verstorbenen ihr „tiefes Mitgefühl“ aus. Man werde aber alles tun, damit die Veranstaltung in Mühldorf trotzdem sicher und sichtbar stattfinden könne. „Denn genau solche Taten zeigen, warum CSD immer noch nötig ist.“ Genau wegen solcher Taten und Anfeindungen, denen queere Menschen in der Gesellschaft noch immer ausgesetzt seien, mache man CSD. 

Am Anhalter Bahnhof in Berlin befinden sich derzeit schwer bewaffnete Spezialkräfte, wie Berliner Medien berichten. Die Station liegt einige hundert Meter südlich vom Potsdamer Platz und vom Tatort.

Steinmeier: „Angriff auf unsere offene Gesellschaft“Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sich erschüttert über den mutmaßlichen Anschlag auf den Christopher Street Day in Berlin geäußert. „Diese Tat ist ein Angriff auf unsere offene Gesellschaft, auf unsere Art zu leben und zusammenzuleben“, sagte Steinmeier am Sonntag in Hamm laut Redemanuskript. Seine Gedanken seien bei den Angehörigen und Freunden der beim Anschlag getöteten Frau und den schwer Verletzten, sagte Steinmeier demnach, der in Hamm das große Tempelfest der Hinduistischen Gemeinde in Deutschland besuchte.In Hamm sei man zum hinduistischen Tempelfest zusammengekommen, um zu feiern, sagte Steinmeier weiter. „Aber wir alle sind erschüttert und entsetzt über den mutmaßlichen Anschlag auf den Christopher Street Day in Berlin.“ Hunderttausende Menschen aus aller Welt hätten dort friedlich und fröhlich feiern und ein Zeichen für Toleranz und Vielfalt setzen wollen. 

Ermittlungen in Berlins wachsender IslamistenszeneIn Berlin gibt es ein erhebliches radikalisiertes islamistisches Personal, eine Szene, welcher der Verfassungsschutz des Landes etwa 2400 Personen zurechnet. Davon werden laut Verfassungsschutzbericht mehr als 900 als gewaltorientiert qualifiziert. In dieser Szene sucht die Polizei jetzt nach dem Attentäter des Christopher Street Day, wie unser Korrespondent Peter Carstens berichtet:

Bundesanwaltschaft in Kontakt mit Berliner Behörden Nach dem Angriff eines Autofahrers am Rande des Berliner Christopher Street Days (CSD) steht die Bundesanwaltschaft mit den Ermittlungsbehörden vor Ort in Kontakt. Das sagte eine Sprecherin der Karlsruher Behörde der Deutschen Presse-Agentur. Der Generalbundesanwalt hat die Ermittlungen in diesem Fall aber bislang nicht übernommen.Die Bundesanwaltschaft ist die oberste Anklagebehörde in Deutschland. Sie kann unter anderem Fälle von islamistisch motiviertem Terrorismus übernehmen. Zudem kann sie solche mit besonderer Bedeutung an sich ziehen. 

Innensenatorin eilt nach Berlin – Pressekonferenz geplantBerlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) hat wegen des Angriffs beim CSD ihren Urlaub abgebrochen. Sie werde noch heute in Berlin eintreffen, sagte sie der „Bild“-Zeitung. Für den Abend ist demnach eine Pressekonferenz mit den Sicherheitsbehörden geplant. 

Wie war das Sicherheitskonzept? Bisher gibt es dazu so gut wie keine Informationen. Mehr als 250 „Zufahrtschutzelemente“ seien den ganzen Tag über rund um den Tiergarten herum verteilt gewesen, zitiert der „Tagesspiegel“ Polizeipressesprecher Florian Nath. Sie seien auch rund um die Uhr bewacht worden. Wie ein Fahrzeug dennoch in den Tiergarten einfahren konnte, sei Gegenstand der Ermittlungen, sagte er demnach am Abend weiter. 

CDU-Spitzenkandidat Evers: „Trifft die Stadt mitten ins Herz“Der CDU-Spitzenkandidat für die bevorstehende Abgeordnetenhauswahl in Berlin, Stefan Evers, drückte auf der Plattform X sein Entsetzen aus und schrieb: „Es trifft unsere Stadt mitten ins Herz.“ Der „Tagesspiegel“ berichtete in der Nacht, Evers sei auf dem Weg nach Berlin, er habe wegen familiärer Verpflichtungen nicht am CSD teilnehmen können.

Polizei: Todesopfer ist eine FrauBei dem Angriff am Rande des Christopher Street Days in Berlin ist eine Frau getötet worden. Das sagte Polizeisprecher Florian Nath. Die Frau wurde demnach so schwer verletzt, dass sie noch vor Ort starb. Weitere Details nannte der Sprecher nicht. Auch Angaben zum aktuellen Zustand der mindestens 16 Verletzen lagen nicht vor. Nach früheren Angaben der Feuerwehr sind von den 16 Verletzten 3 lebensbedrohlich und 8 schwer verletzt. Zudem gebe es fünf leicht verletzte Menschen. Ferner wurden nach Angaben der Feuerwehr 30 Menschen psychologisch betreut. Sie stünden unter dem Eindruck des Geschehens.