„Erhebliche Defizite bei der Gleichstellung“ haben vier weibliche Abgeordnete der hessischen Grünen in den Landesvertretungen in Berlin und Brüssel ausgemacht. Tatsächlich geht aus einer Antwort des zuständigen Ministers Manfred Pentz (CDU) hervor, dass Frauen bei der Besetzung von Podien in Diskussionsveranstaltungen deutlich unterrepräsentiert sind. In der Landesvertretung Berlin ist die Entwicklung sogar rückläufig. Der Frauenanteil bei Veranstaltungen, die von der Landesvertretung selbst organisiert wurden, sank von 41 Prozent im Jahr 2024 auf 37 Prozent im vergangenen Jahr. In Brüssel stieg die Quote in demselben Zeitraum von 33 auf 36 Prozent. Die absoluten Zahlen sind eher niedrig. So fanden beispielsweise in Berlin im vergangenen Jahr neben vielen anderen Veranstaltungen von Externen sechs Podiumsdiskussionen der Landesvertretung selbst statt. In Brüssel waren es 21. Diese und andere Werte lassen sich aus Tabellen herausfiltern, für deren Erstellung in Berlin und Brüssel nach Schätzungen insgesamt 15 Arbeitsstunden aufgewandt wurden, wie Pentz’ Ministerium für Bundes- und Europaangelegenheiten auf Nachfragen mitteilte. Bekenntnis zur Chancengleichheit „Die Zahlen sind ernüchternd“, meinen die Abgeordneten. „Die Landesregierung wird weder ihrem selbst formulierten Anspruch auf Gleichstellung noch ihrer Vorbildfunktion gerecht.“ Die Politikerinnen erwarten von der Landesregierung „klare Vorgaben und Initiativen zur Förderung einer ausgewogenen geschlechtergerechten Besetzung von Podien“. Pentz hingegen plant „keine neuen Maßnahmen oder Empfehlungen“. Die Landesregierung sehe die Förderung der Gleichstellung von Frauen und Männern als eine bedeutende Aufgabe an, die in allen Bereichen der Politik und Verwaltung zu berücksichtigen sei. Sie habe deshalb ausdrücklich das Leitprinzip der Europäischen Union zur Chancengleichheit der Geschlechter aus dem Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union in die Präambel der Gemeinsamen Geschäftsordnung der Hessischen Staatskanzlei, der Ministerien und der Landesvertretung Berlin aufgenommen. Damit sei dieses Ziel in den Vorgaben bereits ausreichend verankert. Es werde stets angestrebt, Panels bei Veranstaltungen paritätisch zu besetzen. Dies stoße in der Praxis jedoch auf Grenzen. Denn die Podiumsdiskussionen seien nicht nur geschlechtergerecht, sondern auch politisch ausgewogen zu besetzen. Außerdem gelte es, die fachliche Expertise der „Panellistinnen und Panellisten“ zu berücksichtigen. Schließlich seien auch die Bereitschaft zur Teilnahme sowie die zeitliche Verfügbarkeit ein nicht zu unterschätzender Faktor. Mit dieser Begründung bestehender Ungleichgewichte verstecke sich die Landesregierung hinter den üblichen Ausflüchten, meinen die vier Abgeordneten. „Diese Argumente hören wir seit Jahren – sie dürfen aber nicht länger als Rechtfertigung für strukturelle Ungleichheit dienen.“
