Mehr als 1500 Arbeitsplätze sind in den vergangenen Jahren allein in Frankfurt beim Autozulieferer Aumovio verloren gegangen. Bis Ende dieses Jahres werde sich die Zahl der Stellen, die über fünf Restrukturierungsrunden hinweg abgebaut worden seien, auf genau 1514 summieren, sagte der Betriebsratsvorsitzende Anil Alpay am Montag auf einer Betriebsversammlung, die ausnahmsweise unter freiem Himmel stattfand. Anlass war ein von der Gewerkschaft IG Metall ausgerufener Aktionstag bei Autobauern und -zulieferern in ganz Deutschland. Bei Aumovio beteiligten sich nach Schätzung der Polizei rund 500 Beschäftigte, die IG Metall sprach von bis zu 700. Betriebsrat und Gewerkschafter warfen der Arbeitgeberseite vor, auf die Krise der Branche mit den falschen Rezepten zu reagieren. Eine Abschaffung der 35-Stunden-Woche, wie sie in einem Interview der „Wirtschaftswoche“ kürzlich der Vorstandsvorsitzende von Aumovio, Philipp von Hirschheydt, gefordert hatte, würde „weitere 286 Arbeitsplätze hier am Standort gefährden“, sagte Betriebsratschef Alpay. Hirschheydt hatte sich der Forderung des Mercedes-Vorstands angeschlossen, die wöchentliche Arbeitszeit von 35 auf 40 Stunden auszuweiten, ohne Lohnausgleich. Ein Aumovio-Ingenieur sagte der F.A.Z. am Rande der Kundgebung, für die Beschäftigten in der Produktion wäre eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche hart. Für ihn selbst gelte „Vertrauensarbeitszeit“, praktisch arbeite er jetzt schon mehr als 40 Stunden. „Ich habe Angst um meinen Arbeitsplatz“, sagte der Mann. Seine Abteilung, die an einem Projekt für autonom fahrende Lastwagen arbeite, sei im Zuge der jüngsten Abfindungsprogramme schon kräftig geschrumpft und solle zum Jahresende ganz geschlossen werden. „Bislang habe ich keinerlei Auskunft dazu erhalten, wo es danach hingeht.“ Betriebsratschef Alpay sagte mit Blick auf das autonome Fahren, in Deutschland gebe es zu viele Hürden für eine Erprobung der Technologie. „Andere Länder überholen uns dabei, schauen rüber und sagen, während die mit der Bürokratie beschäftigt sind, sind unsere Lkw und Autos schon auf den Straßen unterwegs.“ Damit deutsche Autobauer und -zulieferer gegen die Konkurrenz durch chinesische Wettbewerber bestehen könnten, müsse außerdem eine „Local-Content-Regelung“ her: „Wer hier in Deutschland verkauft, der muss hier auch produzieren“, forderte Alpay. Bei Opel in Rüsselsheim beteiligten sich laut IG Metall rund 1000 Beschäftigte am Aktionstag. Weitere Kundgebungen, teils vor, teils in den Betrieben, fanden bei den Mercedes-Benz-Niederlassungen in Frankfurt und Darmstadt, bei den Jost-Werken in Neu-Isenburg, am Aumovio-Standort in Babenhausen und bei den Autozulieferern Mahle und Fritz Winter in Mittelhessen statt. In Nordhessen beteiligten sich Beschäftigte des VW-Werks Baunatal, von Daimler Truck in Kassel und von Schaeffler Vitesco in Bebra.
