FAZ 17.05.2026
11:27 Uhr

Acht Verletzte in Italien: Zwei Opfer verlieren Beine nach Amokfahrt in Modena


Der Amokfahrer von Modena soll wegen einer schizoiden Persönlichkeitsstörung in Behandlung gewesen sein. Hätten die Behörden ihn nach Behandlungsabbruch im Blick behalten müssen?

Acht Verletzte in Italien: Zwei Opfer verlieren Beine nach Amokfahrt in Modena

Bei der Amokfahrt eines 31 Jahre alten Italieners marokkanischer Herkunft wurde am Samstagnachmittag in der Innenstadt von Modena auch eine Touristin aus Deutschland schwer verletzt. Nach Angaben von Bürgermeister Massimo Mezzetti konnten noch am Abend die Angehörigen aller acht Verletzten – fünf Frauen und drei Männer im Alter zwischen 27 und 71 Jahren – benachrichtigt werden. Vier der Verletzten, unter ihnen auch eine Besucherin aus Polen, befanden sich am Sonntag in ernstem, aber offenbar nicht lebensbedrohlichem Zustand. Einer Frau mussten beide Beine amputiert werden, auch eine weitere Person verlor ein Bein. Staatspräsident Sergio Mattarella und Ministerpräsidentin Giorgia Meloni wollten sich noch am Sonntagnachmittag in die Stadt in der norditalienischen Region Emilia-Romagna begeben, um den Verletzten ihre Nähe zu zeigen und den Einsatzkräften ihre Dankbarkeit auszusprechen. Meloni sprach von einem „sehr schwerwiegenden“ Vorfall. Sie bedankte sich bei den Passanten, die den mit einem Messer bewaffneten Angreifer nach dessen Amokfahrt festgehalten und herbeigeeilten Polizisten übergeben hatten. Der Attentäter müsse nun zur Rechenschaft gezogen werden, forderte die Regierungschefin. Der Attentäter floh zu Fuß, mit einem Messer bewaffnet Auf Aufnahmen von Überwachungskameras ist zu sehen, wie der Kleinwagen vom Typ Citroën C3 zunächst auf den Bürgersteig rechts vom Fahrer zurast, dort einen Radfahrer und mehrere Personen erfasst, sodann auf den linken Bürgersteig zusteuert und dort ebenfalls mit voller Wucht mehrere Personen erfasst. Die am schwersten verletzte Frau wurde von dem Fahrzeug gegen eine Wand und ein Schaufenster geschleudert, gegen welche das Fahrzeug dann ebenfalls prallte. Der mit einem Messer bewaffnete Attentäter stieg sodann aus dem Fahrzeug aus und flüchtete zu Fuß. Ein Passant, der den Angreifer zu stellen versuchte und von diesem zu Boden gerissen wurde, erlitt leichte Stichverletzungen. Zwei weitere Passanten entwaffneten den Mann schließlich und hielten ihn bis zum Eintreffen der Polizei fest. Tatverdächtiger wegen einer schizoiden Persönlichkeitsstörung in Behandlung Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage wegen „Massakers und schwerer Körperverletzung“, zunächst aber nicht wegen eines Terrorakts. Der 31 Jahre alte Verdächtige Salim El K. wurde nach italienischen Medienberichten als Sohn marokkanischer Einwanderer nahe Bergamo in der Lombardei geboren, lebte aber zuletzt in Modena. Er soll wegen einer schizoiden Persönlichkeitsstörung in psychiatrischer Behandlung gewesen sein, diese aber Ende 2024 abgebrochen haben. Ungeachtet eines Studienabschlusses in Ökonomie war er zuletzt arbeitslos. Seine Profile in den sozialen Medien enthielten keine Postings, diese sollen nach Medienberichten jüngst von den Betreibern der Netzwerke gelöscht worden sein. Bei einer ersten Vernehmung soll der Verdächtige laut Medien angegeben haben, er habe sich ausgegrenzt, gemobbt und rassistisch diskriminiert gefühlt. Die Ermittlungen dürften sich nun darauf konzentrieren, ob die Gesundheitsbehörden den Mann nach dem Abbruch der psychiatrischen Behandlung besser hätten überwachen müssen und ob sich der Verdächtige zuletzt über das Internet radikalisiert haben könnte. In die Ermittlungen hat sich deshalb auch die Antiterrorabteilung der Staatsanwaltschaft von Bologna eingeschaltet. Bisher war Italien von islamistisch motivierten Attentaten, Amokfahrten oder Messerangriffen, wie sie seit 2016 in Frankreich, Großbritannien, Schweden, Spanien und auch Deutschland registriert wurden, verschont geblieben. Poller vor Fußgängerzonen zum Schutz vor Amokfahrten sind in Italien bisher unbekannt.