FAZ 08.05.2026
16:35 Uhr

Absatzeinbruch: Irankrieg könnte Toyota Milliarden kosten


Der größte Autohersteller der Welt überrascht mit schwachen Aussichten für das laufende Geschäftsjahr. Für mehr Effizienz sollen auch Roboter sorgen.

Absatzeinbruch: Irankrieg könnte Toyota Milliarden kosten

Mit einem überraschend negativen Ausblick auf das bis März 2027 laufende Geschäftsjahr hat der neue Vorstandschef von Toyota Motor am Freitag überrascht. Vor allem der Irankrieg, aber auch die hohen Zölle in den Vereinigten Staaten trüben die Erwartungen. „Es ist derzeit sehr schwierig, wenn nicht sogar unmöglich, vorherzusagen, wie sich die Märkte genau entwickeln werden“, sagte Kenta Kon, der zum 1. April den Vorstandsvorsitz des absatzstärksten Autoherstellers der Welt übernommen hat. Für das bis März 2027 laufende Geschäftsjahr erwartet der japanische Volkswagen-Rivale einen operativen Gewinn von nur noch drei Billionen Yen (16,3 Milliarden Euro). Im abgelaufenen Jahr hatte der Konzern noch 3,8 Billionen Yen verdient. Analysten hatten für das neue Jahr im Durchschnitt mit einem Gewinn von 4,6 Billionen Yen gerechnet. Entsprechend scharf fiel die Marktreaktion aus. Der Aktienkurs sank nach Bekanntwerden der neuen Prognose an der Börse in Tokio um 3,5 Prozent. Vorbild Akio Toyoda Bislang hat sich Toyota in den rasanten Umbrüchen in der internationalen Autoindustrie besser geschlagen als viele Wettbewerber. Anders als etwa Volkswagen, Stellantis oder Nissan muss der japanische Branchenprimus bislang noch nicht mit Stellenstreichungen oder Werksschließungen gegensteuern. Und doch hat der Konzernpatriarch und Verwaltungsratschef Akio Toyoda im Februar überraschend den früheren Finanzvorstand Kenta Kon auf den Vorstandsvorsitz berufen. Er soll den Konzern auf Effizienz trimmen und seine Erfahrungen aus seiner Zeit in der Digitalisierungstochtergesellschaft Woven by Toyota dafür nutzen, technische Neuerungen schneller marktfähig zu machen. Kon verwies darauf, dass er Toyodas Assistent gewesen sei, als der im Jahr 2009 den Vorstandsvorsitz übernahm, zu einer Zeit, in der der Konzern gerade in einer tiefen Krise steckte. „Wenn du erst einmal in den roten Zahlen steckst, kannst du überhaupt keine neuen Herausforderungen mehr angehen“, habe Toyoda ihn damals gelehrt. Daher wolle er jetzt einiges dafür tun, um das zu verhindern. Irankrieg könnte den Konzern mit 3,6 Milliarden Euro belasten Vor allem der Irankrieg bereitet dem Konzern Sorgen. Schon im Quartal von Januar bis März dieses Jahres halbierte sich der Gewinn gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf nur noch 569,4 Milliarden Yen (3,1 Milliarden Euro). ‌Für das Gesamtjahr schätzen die Japaner, dass sich die Belastungen durch den Krieg in Nahost auf 670 Milliarden Yen (3,6 Milliarden Euro) ⁠summieren werden. Hintergrund ist, dass Toyota in normalen Zeiten gut eine halbe Million Fahrzeuge in der Region verkauft, vor allem SUVs und Pick-ups, mit denen sich gute Margen erzielen lassen. Seitdem die Straße von Hormus blockiert ist, fallen die Lieferungen in die Golfregion aber aus. Kon rechnet zudem mit höheren Kosten bei vielen Rohstoffen und anderen für den Autobau wichtigen Materialien. Angesichts vieler ausbleibender Lieferungen aus dem Nahen Osten wächst die Sorge, dass manche Zulieferer schon bald nicht mehr produzieren könnten. „Wir können keine Autos bauen, wenn auch nur ein Teil dafür fehlt“, sagte Finanzvorstand Yoichi Miyazaki. Japaner bleiben optimistisch Doch auch die Zölle in den Vereinigten Staaten, die für Toyota der wichtigste Auslandsmarkt sind, belasten weiterhin. Zwar gelang es den Japanern, ihre Verkaufszahlen dort auf einen Rekordstand von 2,9 Millionen Fahrzeugen zu erhöhen, und in diesem Jahr sollen es sogar knapp drei Millionen werden. Doch durch die Zölle rechnet der Konzern dadurch im angelaufenen Geschäftsjahr mit zusätzlichen Kosten in Höhe von 1,38 Billionen Yen (7,5 Milliarden Euro). Mit Blick auf die Verkäufe bleiben die Japaner aber recht optimistisch. Auch im angelaufenen Geschäftsjahr wollen sie mit ihren Marken Toyota und Lexus 10,5 Millionen Fahrzeuge absetzen, was etwa so viele wie im abgelaufenen wären. Damit würden sie die Volkswagen-Gruppe mit ihren zuletzt knapp neun Millionen verkauften Fahrzeugen im siebten Jahr in Folge auf Rang zwei der größten Hersteller verweisen. Fast die Hälfte der Verkäufe sind Hybride Vor allem die Hybriden bilden für Toyota einen wichtigen Wettbewerbsvorteil gegenüber den Rivalen aus Wolfsburg. Für das bis März 2027 laufende Geschäftsjahr rechnet der Konzern erstmals mit mehr als fünf Millionen verkauften Fahrzeugen mit diesem Mischantrieb aus Verbrenner und Batterie, die derzeit für viele Kunden eine ansprechende Alternative zu reinen Stromern darstellen. Sie stehen dann für etwa die Hälfte der Gesamtverkäufe. Bei rein batteriebetriebenen Fahrzeugen, die Toyota erst seit Kurzem anbietet, wachsen die Verkaufszahlen von niedrigem Niveau aus weiter kräftig. Bis März kommenden Jahres wollen die Japaner knapp 600.000 solcher Fahrzeuge verkaufen, nach 250.000 im Vergleichszeitraum. Unter anderem neue reine Stromer für den europäischen Markt sollen die Verkäufe antreiben, sagte Miyazaki. Jenseits solcher neuen Modelle blieb Kon eher vage, was die Reaktionen auf die raue Marktlage angeht. Unter anderem sollen mehr Roboter in den Fabriken eingesetzt werden, die durch Künstliche Intelligenz nach und nach verschiedene Aufgaben in den Prozessen und später auch außerhalb der Werke übernehmen sollen. Angesichts der Vielzahl der Aufgaben in dem riesigen Konzern sagte Finanzvorstand Miyazaki: „Wir können groß träumen.“ Es sei aber zu früh, darüber zu reden.