FAZ 14.08.2026
11:26 Uhr

AKW läuft weiter: Spanien verzögert den Atomausstieg


Angela Merkel ist Pedro Sánchez’ Vorbild, wenn es um den Atomausstieg geht. Doch nach dem landesweiten Stromausfall hat Madrid die Pläne angepasst.

AKW läuft weiter: Spanien verzögert den Atomausstieg

Die spanische Regierung hat die Laufzeit des Kernkraftwerks Almaraz in der Extremadura bis 2030 verlängert. Ursprünglich sollten dort die beiden ersten Reaktoren 2027 und 2028 abgeschaltet werden. Damit sollte der Atomausstieg beginnen, bei dem Spanien dem deutschen Vorbild folgt. Er soll bis 2035 abgeschlossen sein. Das Umweltministerium betonte, dass es sich in Almaraz um eine Ausnahme handele und die anderen Reaktoren wie geplant schrittweise außer Betrieb genommen würden. Die Regierung folgte damit einer Empfehlung des Rates für nukleare Sicherheit, der einem Antrag der Betreiber Iberdrola, Endesa und Naturgy stattgegeben hatte. Die rechte Opposition fordert, den Ausstieg komplett zu stoppen. Der große Stromausfall im April vergangenen Jahres hatte auf der Iberischen Halbinsel die spanische Atomdebatte wiederbelebt. Forderungen wurden laut, die Atomenergie als Reserve beizubehalten und nicht komplett auf alternative Energiequellen zu setzen, die stark vom Wetter abhängig sind. Der Druck auf die Regierung war seitdem stark gewachsen. Opposition und Partner sind gegen Ausstieg Die Linksregierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez hatte 2019 beschlossen, die spanischen Reaktoren abzuschalten – Vorbild dafür war der Atomausstieg von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in Deutschland. In der EU weigerte sich Spanien, Atomenergie als „nachhaltig“ anzuerkennen. In der strukturschwachen Extremadura-Region, wo rund 4000 Arbeitsplätze von dem Kraftwerk abhängen, kämpft schon länger eine große Bürgerinitiative für Almaraz. Vor der spanischen Parlamentswahl 2023 kündigten die konservative Volkspartei (PP) und die rechtspopulistische Vox-Partei an, den Ausstieg aus der aus ihrer Sicht „grünen“ Atomenergie rückgängig zu machen. Die von der PP geführten Regionalregierungen in der Extremadura und in Valencia beschlossen bereits Steuersenkungen für die Betreiber. Auch die katalanischen Separatisten-Parteien Junts und ERC, auf deren Unterstützung Sánchez’ Minderheitsregierung angewiesen ist, sind für längere Laufzeiten. Mit Blick auf Almaraz, woher sieben Prozent des spanischen Stroms kommen, hat der Betreiber Iberdrola vergangenes Jahr versichert, dass die spanischen Atomkraftwerke zu „den besten der Welt zählen, was eine kontinuierliche und zuverlässige Stromproduktion gewährleistet“. Eine Stilllegung würde „einen signifikanten Anstieg der Stromkosten“ in Spanien verursachen.