FAZ 10.05.2026
20:22 Uhr

3:1-Sieg in Köln: Heidenheims Hoffnung aufs Fußball-Wunder lebt


Der 1. FC Heidenheim sendet im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga ein weiteres Lebenszeichen. Nun kommt es am letzten Bundesligaspieltag zu einem Novum.

3:1-Sieg in Köln: Heidenheims Hoffnung aufs Fußball-Wunder lebt

Die Hoffnung auf das Wunder von der Ostalb lebt, und die Fußball-Bundesliga bekommt ein Herzschlagfinale um die Abstiegsentscheidung. Nach dem 3:1 (2:1) des 1. FC Heidenheim beim 1. FC Köln gehen erstmals überhaupt die letzten drei Teams der Tabelle punktgleich in den 34. Spieltag. Tore von Jan Schöppner (8. Minute, 72.) und Arijon Ibrahimovic (28.) bei einem Gegentor von Marius Bülter (10.) machten den ersten Auswärtssieg der Heidenheimer seit fast einem halben Jahr perfekt und hielten den Glauben an die wundersame Rettung am Leben. „Das ist wirklich unglaublich. Also wenn ich zurückdenke an die Zeit vor Ostern, da hat keiner mehr auf uns gewettet. Wir intern haben immer dran geglaubt, dass wir das nochmal schaffen können, dass wir nochmal rankommen können“, sagte Heidenheims Geschäftsführer Holger Sanwald bei DAZN. „Die Leistung war auch heute wieder wirklich klasse. Ich bin sehr stolz auf die Mannschaft.“ Ein Freund habe ihm gesagt, das sei ja die größte Wiederauferstehung seit Jesus. „Na ja, es ist auf jeden Fall eine Wiederauferstehung.“ „Viele hatten uns abgeschrieben“ Auch der Doppeltorschütze Schöppner freute sich über den Sieg: „Ich denke schon, dass es der wichtigste Dreier war. Viele hatten uns ab einem gewissen Zeitpunkt abgeschrieben. Aber dann sind wir in einen Flow reingekommen.“ Das Team von Trainer Frank Schmidt, das seit Monaten Schlusslicht der Bundesliga war, nutzte die Niederlagen des Drittletzten Wolfsburg (0:1 gegen Bayern) und des neuen Letzten St. Pauli (1:2 in Leipzig) und zog nach Punkten (26) mit beiden Konkurrenten gleich. Vor dem abschließenden Saisonspiel am Samstag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei DAZN) gegen Mainz trennt nur noch das Torverhältnis Heidenheim (-29) von Wolfsburg (-26), das sich mit St. Pauli (-29) zum Abschluss direkt duelliert. „Was haben wir noch zu verlieren?“ Die Gäste gingen mutig in die Partie, die sie unbedingt gewinnen mussten. „Und jetzt mal ehrlich, was haben wir noch zu verlieren seit Wochen? Gar nichts. Wir haben auch jetzt nichts zu verlieren. Wir sind immer noch Achtzehnter“, hatte Heidenheims Trainer Schmidt vor dem Spiel bei DAZN gesagt. An den vergangenen sechs Spieltagen hatte sein Team sieben Punkte auf die Konkurrenz aufgeholt – und nun sogar St. Pauli auf Rang 18 verdrängt. Bei den Kölnern war Stamm-Innenverteidiger Jahmai Simpson-Pusey am Morgen zu spät zum Anschwitzen gekommen und daraufhin von Kölns Trainer René Wagner aus dem Kader gestrichen worden. „Wir haben die ganze Woche darüber gesprochen, dass das Spiel für uns wichtig ist, und da müssen wir Haltung zeigen, und wenn ein Spieler dann morgens zu spät kommt, dann muss es Konsequenzen geben. Das muss die Mannschaft zu spüren bekommen“, befand Wagner, der in den kommenden Tagen zur Dauerlösung auf dem Trainerposten bestätigt werden soll. Der 37-Jährige war im März nach der Trennung von Lukas Kwasniok vom Ko- zum Interimstrainer aufgestiegen. Ohne Simpson-Pusey fehlte die Ordnung in der Kölner Hintermannschaft. Cenk Özkacar patzte vor der Heidenheimer Führung gleich zweimal. Nach dem Kopfballtreffer von Mittelfeldspieler Schöppner glich der FC allerdings postwendend aus. Bei Bülters strammem Schuss aus spitzem Winkel war Frank Feller im Heidenheimer Tor machtlos. FCH-Coach Schmidt hatte den 22-Jährigen vor dem Spiel überraschend zur neuen Nummer eins befördert und den beim 3:3 beim FC Bayern schwachen Diant Ramaj auf die Bank gesetzt. „Da gibt es nicht diesen einen Grund“, sagte Schmidt zu seinem Torwartwechsel. Feller hatte sich vor der Saison schwer am Knie verletzt, war monatelang ausgefallen und hatte sich zuletzt im Training laut Schmidt wieder auf ein „absolutes Toplevel“ gebracht. Feller würde auch im Fall der Relegationsspiele im Tor bleiben, stellte Schmidt klar. Die wurden noch in der ersten Halbzeit durch Ibrahimovics erneute Führung wieder wahrscheinlicher. Auch beim 2:1 der Gäste sah die Kölner Abwehr schlecht aus. Heidenheim blieb gegen den sorglosen FC spielbestimmend, agierte teilweise aber zu umständlich und verpasste noch vor der Pause das durchaus mögliche dritte Tor in gleich mehreren Situationen. Pfiffe der Kölner Fans zur Pause waren die Konsequenz. Im zweiten Durchgang wirkten die Rheinländer zunächst entschlossener und spielten offensiver, was den Gästen Raum zum Kontern gab. Auch der wurde allerdings nur unzureichend genutzt. Erst knapp zwanzig Minuten vor dem Ende sorgte Schöppner für die Entscheidung.