Wer sich in den Zwanzigerjahren bei Käse’s Rundfahrten durch die deutsche Hauptstadt kutschieren ließ, kam auch an der Gedächtniskirche am Ende des Kurfürstendamms vorbei und wurde dort auf eine ganz besondere Attraktion verwiesen: das Romanische Café. Journalisten, Schauspieler, Autoren, Maler, ja selbst Sportprofis fanden sich in dem stets rauchgeschwängerten Kaffeehaus ein, um zu disputieren, Rivalitäten auszufechten, Kontakte zu knüpfen oder amouröse Abenteuer anzubahnen. Prominenz war reichlich vertreten, von Else Lasker-Schüler über Max Liebermann bis hin zu Alfred Döblin. Doch das als „Sitz der Berliner Bohème“ (Franz Hessel) bekannte Café war zugleich Zufluchtsort mittelloser Kleinkünstler, die sich ihre Getränke von den erfolgreicheren Kollegen erbetteln mussten. Auch allerlei junge Hoffnungsträger fanden sich ein, die – wenn sie Glück hatten – ihren ersten Vertrag aushandeln konnten.
