FAZ 31.05.2026
16:54 Uhr

(+) James Krüss zum 100. Geburtstag: Unser Zauberer


Er schrieb „Timm Thaler“, „Henriette Bimmelbahn“, „Mein Urgroßvater und ich“ und brachte Generationen bei, warum wir die Welt erst verstehen, wenn wir sie bedichten.  Zum hundertsten Geburtstag von James Krüss.

(+) James Krüss zum 100. Geburtstag: Unser Zauberer

Ein Junge sitzt auf einem Schiffsanleger, lässt die Beine baumeln und hält die Angelschnur ins Wasser. Er sieht die Dampfer kommen und gehen. Sie bringen Fremde auf die kleine Hochseeinsel, auf der seine Familie lebt, „Badegäste in Ferienweiß“ vom fernen Festland. Der Junge weiß nicht viel mehr von Städten, Wäldern, Kühen, Autos oder Eisenbahnen als das, was in seinen Bilderbüchern steht oder was die Nachbarn und Familienmitglieder erzählen. Er schaut aufs Meer und denkt sich: „Wenn ich groß bin, fahre ich mit dem Dampfer fort.“

Mit Werken wie „Timm Thaler“ oder „Mein Urgroßvater und ich“ wurde James Krüss zum Star der westdeutschen Kinderliteratur. Kaum bekannt sind seine Anfänge: als Herausgeber eines Mitteilungsblattes für Exil-Insulaner.

Zum hundertsten Geburtstag von James Krüss erscheint ein von Anna Thalbach gelesenes Hörbuch. Es weiß mit der Vielschichtigkeit seiner Texte weit besser umzugehen als manch andere.

In seinem Prosadebüt „Vom Fällen eines Stammbaums“ seziert der Frankfurter Lyriker Martin Piekar eine migrantische Mutter-Sohn-Beziehung. Das tut weh, ist sprachlich anspruchsvoll und jede Seite wert.

Redakteur im Feuilleton.

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