Dlf 08.09.2026
01:44 Uhr

Newsblog zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt - Proteste gegen die AfD in Berlin und anderen Städten




Newsblog zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt - Proteste gegen die AfD in Berlin und anderen Städten
Der SPD-Spitzenkandidat für die Abgeordnetenhauswahl in knapp zwei Wochen in Berlin, Krach, sagte im Deutschlandfunk, wenn 81 Prozent der Menschen mit dem Reformpaket unzufrieden seien, dann könne man nicht einfach so weitermachen. Konkret forderte Krach, die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren beizubehalten und die geplanten Kürzungen beim Wohngeld zurückzunehmen. Den Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt bezeichnete Krach als Hilferuf. Nicht alle AfD-Wähler seien rechtsextrem, sondern viele sorgten sich um ihre persönliche finanzielle Situation.
Der Bundesfinanzminister und SPD-Ko-Vorsitzende Klingbeil sagte zum Auftakt der Haushaltsberatungen im Bundestag, die Frage der Gerechtigkeit der Veränderung müsse im Mittelpunkt stehen, wenn man Vertrauen zurückgewinnen wolle.

+++ In Halle an der Saale ist ein Teilnehmer einer Anti-AfD-Demo mit einer Luftdruckwaffe angeschossen worden.

Bei der Abschlusskundgebung habe der 25-Jährige plötzlich einen Schmerz im Gesicht gespürt, teilte die Polizei mit. Mutmaßlich habe ihn eine unbekannte Person aus einem der angrenzenden Wohnhäuser mit einem Druckluftgeschoss getroffen. Beamte durchsuchten zwei Häuser, konnten aber keinen Tatverdächtigen fassen. Der polizeiliche Staatsschutz übernahm die Ermittlungen. Der leicht verletzte 25-Jährige wurde nach kurzer Behandlung durch Rettungskräfte entlassen.

+++ Der Thüringer Verfassungsschutz-Präsident Kramer hat ‌für den Fall einer AfD-geführten Landesregierung in Sachsen-Anhalt vorbeugende Einschränkungen beim Austausch sensibler Geheimdienstinformationen ins Gespräch gebracht.

Sollten konkrete Zweifel am Geheimschutz einer politischen Leitung entstehen, müsse der Verfassungsschutz gegebenenfalls auf eine eingeschränkte Weitergabe besonders sensibler Informationen vorbereitet sein, sagte Kramer dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Dies sei keine politische Sanktion, sondern Risikomanagement zum Schutz von Menschenleben, nachrichtendienstlichen Zugängen und Geheimhaltung.
Dem Bericht zufolge kommen die ​Chefs der 16 Landesämter für Verfassungsschutz sowie der Präsident ‌des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Selen, von Mittwoch bis Freitag zu Beratungen zusammen.

+++ In Berlin sind laut Polizei rund 5.000 Menschen nach dem AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt zu Protesten auf die Straße gegangen.

Die Organisatoren sprachen von 14.000 Teilnehmern an der Kundgebung am Brandenburger Tor. Vor dem Aachener Dom versammelten sich laut Polizei rund 3.000 Menschen nach einem Protestzug. In Essen waren es mehrere Hundert. Auch in Schwerin, Rostock, Potsdam, Göttingen, Dresden oder Saarbrücken wurde demonstriert. Das Bündnis "Köln stellt sich quer" ruft für heute Abend zu einer Kundgebung auf. Für das Wochenende wird bereits in mehreren Städten mobilisiert.

+++ +++ Der Landrat im Salzlandkreis, der SPD-Politiker Bauer, hat Gespräche der übrigen Parteien mit dem Wahlsieger AfD gefordert.

"Die AfD ist demokratisch gewählt und deutlich stärkste Kraft", sagte Bauer dem Nachrichtenportal "t-online". "Sie darf jetzt nicht ignoriert und ausgeschlossen werden." Alle Parteien sollten jetzt miteinander reden und Koalitionsmöglichkeiten ausloten. Sie hätten die Verantwortung, eine Regierung zu bilden.

+++ Bundeskanzler Merz und Vizekanzler Klingbeil haben die Koalition zum Zusammenhalt aufgerufen.

Beide nahmen am Abend in Berlin an einem Treffen des konservativen Flügels der SPD-Bundestagsfraktion, dem sogenannten Seeheimer Kreis, teil. CDU-Chef Merz betonte, man wolle gemeinsam Erfolge erreichen und sei daher jetzt aufgerufen, das zu tun. Der SPD-Parteivorsitzende Klingbeil warnte, der größte Gefallen, den man rechtsextremen Hetzern tun könne, wäre, wenn die Koalition durch sie unter Druck gerate. Beide erklärten, die Reformvorhaben umsetzen zu wollen. Aus SPD-Reihen war zuvor gefordert worden, zum Beispiel über die Rentenpläne noch einmal zu debattieren.

+++ Der Bundestagsabgeordnete Müller hat seine Absicht bekräftigt, nach der herben Wahlniederlage der CDU für den Landesvorsitz in Sachsen-Anhalt zu kandidieren.

Er wolle die Parte i in dem Bundesland wieder in ihrer ganzen Breite sichtbar machen, sagte er im Deutschlandfunk . Müller bezeichnete es als eine Mammutaufgabe, Sachsen-Anhalt auf den richtigen Weg zu bringen. Dabei schloss er eine Zusammenarbeit sowohl mit der AfD als auch mit der Linkspartei aus. Der bisherige Ministerpräsident und Landesparteichef Schulze hatte gestern Abend angekündigt, die CDU-Spitze in Sachsen-Anhalt neu aufzustellen. Neuwahl sollte Ende November oder Anfang Dezember stattfinden. Schulze hatte nach dem Wahlergebnis Konsequenzen angekündigt.

+++ Der Spitzenkandidat der SPD in Sachsen-Anhalt, Willingmann, hat angedeutet, dem Vorschlag des BSW, einen überparteilichen Ministerpräsidenten einzusetzen, möglicherweise zuzustimmen.

Willingmann sagte in Berlin, er halte das nicht für das Mittel der Wahl. Aber wenn es zur Auflösung einer Blockade führen könnte, sollte man es auch nicht a priori ablehnen.
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Diese Nachricht wurde am 08.09.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.