Otte betonte gegenüber dem Magazin "Spiegel", dies bedeute mehr denn je, die eigene Verteidigungsfähigkeit schnell auszubauen. Mit Blick auf die USA sagte er, das Land verzichte mit dem Schritt auf eine vorteilhafte Infrastruktur und gesellschaftliche Rückendeckung.
Der CDU-Verteidigungspolitiker Kiesewetter fordert als Konsequenz aus dem möglichen Stopp der Stationierung von US-Raketen in Deutschland eine engere Zusammenarbeit mit der Ukraine. Die USA stünden nicht mehr verlässlich zur militärischen Abschreckung in Europa, sagte Kiesewetter im Deutschlandfunk. Es sei dringend eine Antwort auf die in Kaliningrad stationierten russischen Raketen nötig. Statt abzuwarten, könnte man mit der Ukraine Raketen entwickeln. Kiesewetter betonte, man sollte sich klarmachen, dass Europa bei der konventionellen Verteidigung mehr von der Ukraine abhängig sei als umgekehrt. Der CDU-Politiker bezeichnete einen Stopp der Raketen-Stationierung als deutlich besorgniserregender als den von Präsident Trump angekündigten teilweisen Truppenabzug. Diese Einschätzung teilen auch führende Sicherheitsexperten.
Merz: US-Ankündigung im Kern nicht neu
Medien berichteten unter Berufung auf das Pentagon, dass das zuständige Bataillon für die Stationierung von "Tomahawk"-Marschflugkörpern nicht mehr nach Deutschland entsandt werden solle. Die Stationierung war 2024 vom damaligen US-Präsidenten Biden und Kanzler Scholz vereinbart worden und sollte dieses Jahr beginnen.
Bundeskanzler Merz sieht das deutsch-amerikanische Verhältnis trotz des schärfer werdenden Tons aus dem Weißen Haus nicht in der Krise. Der angekündigte Truppenabzug sei im Kern nicht neu, sagte Merz im ARD-Fernsehen. "Es wird vielleicht ein bisschen zugespitzt, aber neu ist es nicht", fügte der CDU-Vorsitzende hinzu. Er bestätigte außerdem, dass die vom damaligen US-Präsidenten Biden zugesagte Stationierung von Tomahawk-Marschflugkörper zunächst nicht erfolgen werde. Der Zug sei jedoch noch nicht abgefahren, betonte Merz.
Bürgermeister von Ramstein: Abzug würde Standort wirtschaftlich hart treffen
Vertreter von Kommunen und Ländern in Rheinland-Pfalz machten auf weitere mögliche Folgen aufmerksam. Der Bürgermeister der rheinland-pfälzischen Stadt Ramstein, Hechler, sagte der Deutschen Presse-Agentur, ein Truppenabzug würde die Region mit großer Härte treffen. Bei einem Abzug von insgesamt 5.000 Soldaten seien es mit Familiennachzug 10.000 bis 12.000 Menschen, die aus den deutschen Standorten wegzögen. Dies würde schmerzhafte wirtschaftliche Einschnitte bedeuten. Allerdings sehe er keine Anzeichen für einen Abzug im Raum Ramstein. Der wahrscheinlich künftige Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Schieder (CDU), hatte zuvor ebenfalls gesagt, es gehe nicht nur um das Miteinander bei sicherheitspolitischen Fragen, sondern auch um wirtschaftliche Folgen.
Trump will mehr als 5.000 Soldaten abziehen
Am Freitag hatten die USA einen Abzug von 5.000 Soldatinnen und Soldaten angeordnet. Inzwischen sagte Präsident Trump vor Journalisten, man werde die Truppenstärke um weit mehr reduzieren. Trump hatte bereits in seiner ersten Amtszeit angekündigt, er wolle 12.000 der seinerzeit rund 35.000 US-Soldaten aus Deutschland abziehen. Er beschrieb das Vorhaben damals als Strafaktion für die aus seiner Sicht mangelnden deutschen Militärausgaben. Doch sein Nachfolger Biden stoppte die Pläne.
US-Truppenabzug - Interview mit Nico Lange, Politikwissenschaftler (Audio)
Der US-Stützpunkt Ramstein – Militärische Bedeutung und Wirtschaftsfaktor
Streit zwischen Merz und Trump - Was ein Teilabzug der US-Truppen bedeuten würde
Diese Nachricht wurde am 04.05.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
