Dort hatte der französische Präsident de Gaulle Bundeskanzler Adenauer im Jahr 1962 einen deutsch-französischen Freundschaftsvertrag angeboten hatte. Daraus entstand der Elysée-Vertrag, der Grundlage der Zusammenarbeit beider Länder ist.
Macron: Kooperation weiter ausbauen und beschleunigen
Macron hatte vor dem Empfang erklärt, die Kooperation beider Länder müsse weiter ausgebaut und der strategische Aufbruch Europas beschleunigt werden. Gemeinsam wolle man sich für Frieden in Europa einsetzen, die Verteidigung stärken und bei Zukunftsthemen wie Künstlicher Intelligenz kooperieren. Merz wies auf die historische Dimension des Tagungsortes für den Ministerrat in Brühl hin.
Partnerschaft bei nuklearer Abschreckung
Nach den offen zu Tage getretenen Spannungen mit den USA wollen beide Länder vor allem ein wichtiges Verteidigungsprojekt vorantreiben - die Partnerschaft bei der nuklearen Abschreckung auf Grundlage des französischen Atomwaffenarsenals, wie es Merz und Macron im März vereinbart hatten. Eine erste gemeinsame Übung von französischen Rafale- und deutschen Eurofighter-Kampfjets zur Betankung in der Luft fand bereits am Donnerstag statt. Die Rafale-Jets sind darauf ausgelegt, Atomwaffen einsetzen zu können.
Nach dem Scheitern der geplanten milliardenschweren Entwicklung des gemeinsamen Kampfjets FCAS soll außerdem geklärt werden, was von dem Projekt noch zu retten ist. Die Entwicklung einer sogenannten "Combat Cloud", eines System zur Vernetzung von Waffensystemen, soll in jedem Fall fortgeführt werden.
EU-Haushalt und Medieninitiative gegen Desinformation
An den Beratungen des Ministerrats in Brühl nehmen auf beiden Seiten Minister und Staatssekretäre aus zehn Ressorts teil. Dabei geht es unter anderem um den mehrjährigen Haushalt für die EU. Im Gespräch sind zudem eine engere Zusammenarbeit bei der Entwicklung von Hochleistungsbatterien, die Gründung eines gemeinsamen KI-Zentrums und eine Kooperation der Sender Deutsche Welle und France Médias Monde, um Desinformation zu bekämpfen.
Für Macron ist es voraussichtlich der letzte deutsch-französische Ministerrat. Im nächsten Frühjahr findet in Frankreich die Präsidentschaftswahl statt, bei der er nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten kann. Im Fall einer Wahl der rechten Politikerin Le Pen zur neuen französischen Präsidentin würde der innerhalb der EU wichtige deutsch-französische Motor sicher an Fahrt verlieren. Auch deswegen wollen Merz und Macron in den letzten Monaten noch möglichst viel gemeinsam zustande bringen.
Diese Nachricht wurde am 17.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
